Philosophie

Philosophen - Anhänger - Aussagen

Nach Jostein Gaarder, "Sofies Welt"

Eine Übersicht von Patrick Bernau
erstellt 1997 - HTML 2000

Diese Übersicht ist für "Sofies Welt"-Leser gedacht, um sich einen schnellen Überblick über den Inhalt zu verschaffen. Wer Sofies Welt nicht gelesen hat, dem wird dieses Buch hiermit empfohlen. Leider wird er mit dieser Tabelle normalerweise nur wenig anfangen können.

Kursiv geschriebene allgemein-Einträge stellen allgemeine Strömungen in der angegebenen Gegend zur angegebenen Zeit dar.

Thales Milet / Griechenland
Ende 6. Jh. v.Chr.
Naturphilosophie
  • Wasser ist der Ursprung aller Dinge
Anaximenes Griechenland
570 - 526 v.Chr.
Naturphilosophie
  • Luft ist der Ursprung aller Dinge
    (pressen: Feuer -> Luft -> Wasser -> Erde)
Anaximander Milet / Griechenland
Ende 6. Jh. v.Chr.
Naturphilosophie
  • Unsere Welt ist nur eine von vielen, die alle aus dem "Unendlichen" kommen und dorthin gehen
Parmenides Elea / Süditalien
ca. 540-4870 v.Chr.
Eleatismus
Rationalismus
  • Nichts verändert sich; alle Veränderungen sind Sinnestäuschungen.
Heraklit Ephesos / Kleinasien
ca. 540 - 480 v.Chr.
 
  • alles fließt: Man kann nicht zwei Mal in denselben Fluss steigen
  • Ohne Krankheit macht Gesundheit keinen Spaß
  • Es gibt eine Weltvernunft, die alles lenkt und der sich jeder unterwerfen muss.
Empedokles 494 - 434 v.Chr.  
    Kompromiss Parmenides / Heraklit:
  • Alles ist unveränderlich, besteht aber aus vier Elementen: Erde, Luft, Feuer, Wasser. Unsere Sinne täuschen uns nicht.
  • Es gibt zwei Kräfte: Die Liebe verbindet die Elemente, der Streit trennt sie.
Anaxagoras Athen
500 - 428 v.Chr.
 
  • Die Natur ist aus winzigen Teilen zusammengesetzt; jedes enthält Teile von allem.
Demokrit Abdera / nördl. Ägäis
3460 - 370 v.Chr.
philosophischer Materialismus
  • Alles besteht aus Atomen: verschiedene kleine, kompakte, unteilbare, ewig haltbare Bausteine, die sich lösen und zusammensetzen
  • Es gibt keine "Kraft" und keinen "Geist", der zusammenhält - das geschiet wegen Naturgesetzen.
Menschen allgemein bis Ende 5. Jh. v.Chr. tiefe Religiösität Jedes Geschehen ist vom Schicksal oder von den Göttern bestimmt.
Herodot &
Thukydides
484 - 424 v.Chr.
460 - 400 v.Chr.
Historizismus
  • Es gibt "natürliche" Ursachen für Geschehnisse
Protagoras Griechenland
487 - 420 v.Chr.
Sophismus (wandernde Lehrer)
    Thema: Der Mensch und sein Platz in der Geschichte
  • Der Menschendurchschnitt ist das einzige Maß
Skeptizismus
  • Der Mensch wird nie alle Antworten finden
Agnostizismus
  • Es ist unbekannt, ob es eine höhere Macht gibt
Sokrates Athen
470 - 399 v.Chr.
Sokratische Ironie
  • Bringe die Menschen mit dummen Fragen zur Einsicht
Philosophie
  • Es gibt vieles, das der Mensch nicht weiß ("Ich weiß dass ich nichts weiß")
  • Man versucht, mehr herauszufinden
Rationalismus
  • Das Fundament für Erkenntnisse ist die menschliche Vernunft
  • Die Vernunft jedes Menschen ist das einzige Gesetz
  • Der Mensch wird nicht glücklich, wenn er gegen seine Überzeugung (Gewissen) handelt
Platon Athen
427 - 347 v.Chr.
(Schüler von Sokrates)
Ideenlehre
  • Es gibt eine Wirklichkeit hinter der "Sinnenwelt", in der alles, was auf der Welt existiert, in seiner Original- oder Idealform vorliegt ("Ideen", "Urbilder"). Diese Wirklichkeit muss nicht unbedingt real sein, sie kann sich auch aus der Kombination aller irdischen Abbilder einer Art ergeben.
  • Der Mensch besteht aus Körper (irdisch) und Seele (aus der Ideenwelt). Die Seele sehnt sich immer nach der Idealwelt.
Der philosophische Staat
  • Der ideale Staat ist wie ein Körper aufgebaut (Kopf: Vernunft / Herrscher; Brust: Wille / Wächter; Unterleib: Begehren / Kaufleute)
Aristoteles Makedonien und Athen
384 - 322 v.Chr.
(Schüler von Platon)
 
  • Die Ideen liegen in den Dingen; nicht die Dinge werden nach den Ideen, sondern die Ideen vom Menschen nach den Dingen gemacht. ("Formen")
Zweckursache
  • "Gemüse existiert, um als Nahrung zu dienen" statt "Tiere und Menschen können ohne Gemüse nicht existieren"
Logik
  • Einordnung der Dinge (auch nach Formen); Ziehen von Schlussfolgerungen
Ethik
  • Im Mittelweg findet man das glücklichste Leben
Politik
  • Drei gute Staatsformen: Monarchie, Aristokratie und Demokratie
Menschen allgemein Griechenland
4. - 1. Jh. v.Chr.
Hellenismus Dichtere Verbindungen zwischen verschiedenen Städten, Völkern und Staaten
Anisthenes
Diogenes
Athen
4. Jh. v. Chr.
Kynismus
  • Wirkliches Glück hängt nicht von Reichtum, Macht und Liebe ab; sogar Leid und Tod sind dafür unwichtig. Einmal so erreichtes Glück kann nicht wieder verloren werden.
Zenon Athen
3. Jh. v.Chr.
Stoismus
  • Es gibt eine allgemeingültige "Weltvernunft"
Monoismus
  • Es gibt keinen Gegensatz zwischen "Geist" und "Stoff"
  • Alle Ereignisse folgen den Gesetzen der Natur, die unabänderlich sind. Deshalb hilft es nicht, sich aufzuregen.
Epikur Athen
341 - 270 v.Chr.
Epikureer
  • Die Vorteile einer Handlung müssen immer mit ihren Nachteilen verglichen werden.
  • "Solange wir sind, ist der Tod nicht, und sobald er da ist, sind wir nicht mehr."
Plotin Alexandria und Rom
205 - 270 n.Chr.
Neuplatonismus
  • Das einzige, was existiert, ist &Quot;das Eine" (dessen Bestandteil die Seele ist). Alles andere (auch der Körper) existiert nicht.
Angelus Silesius 1624 - 1677 Mystik
  • Das menschliche Ich ist identisch oder Bestandteil des "Gottes" oder der "Weltseele"
Radhakrishnan Indien
1888 - 1975
  • "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, weil du dein Nächster bist."
Augustinus 354 - 430 n.Chr. Christentum / Platonismus
  • Die "Ideen" existieren in Gottes Gedanken.
  • Der Mensch hat einen materiellen Körper, aber auch eine Seele, die zu Gott gehört.
Thomas von Aquin Italien
1225 - 1274
Christentum / Aristotelismus
  • Man kann Gott in der Schöpfung erkennen.
Menschen allgemein Europa
17. Jh.
Idealismus "Das ganze Leben ist ein Theaterstück"
Thomas Hobbes England
17. Jh.
mechanischer Materialismus
  • Alles besteht ausschließlich aus Stoffpartikeln, sogar das menschliche Bewusstsein.
Lamettrie Frankreich
Mitte 18. Jh.
  • Der Mensch ist eine perfekte Maschine
Laplace Frankreich
Ende 18. Jh.
Determinismus
  • Würde man alle Bestandteile der Welt kennen, so könnte man den ganzen Weltlauf berechnen.
Leibniz Deutschland
17. Jh.
gegen den Materialismus
  • Alles, was aus Stoff gemacht ist, kann immer kleiner unterteilt werden - im Gegensatz zu Gedanken und Bewusstsein
René Descartes Frankreich und Europa
1596 - 1950
 
  • Man muss sich aller Grundlagen, von denen man beim Denken ausgeht, sicher sein -> Er verwirft sämtliche vorhergehenden Erkenntnisse und fängt völlig neu an.
  • Man kann seinen Sinnen nicht völlig trauen, schließlich wird man im Traum auch getäuscht.
  • "Ich denke, also bin ich" ("cogito ergo sum")
  • Es muss ein vollkommenes Wesen geben, weil der Begriff existiert. (Der Begriff "vollkommen" setzt Existenz voraus).
  • Seele und Körper (Denken und Ausdehnung) sind unterschiedliche Dinge.
Baruch Spinoza Niederlande
1632 - 1677
 
  • Religiöse Schriften werden von Menschen beeinflusst.
Pantheismus
  • Gott ist in allem, das existiert, und alles, das existiert (Denken und Ausdehnung) ist in Gott.
  • Der Mensch hat einen freien Willen innerhalb der Naturgesetze ("Gott").
John Locke England
1632 - 1704
Empirismus
  • Nichts ist im Bewusstsein, das nicht zuvor in den Sinnen gewesen ist.
  • Es gibt eine Grundethik.
David Hume Schottland
1711 - 1776
 
  • Es gibt zusammengesetzte Vorstellungen, die nicht unbedingt so existieren müssen.
  • Die Existenz von etwas, das man nie zweifelsfrei erlebt hat, kann man weder bejahen noch verneinen.
  • Die Ich-Vorstellung ist ein "Bündel verschiedener Bewusstseinsinhalte, die einander folgen"
  • Das Gewissen besteht aus Gefühlen, nicht aus absoluten Wahrheiten.
  • Man darf keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen, vor allem nicht von "Ist" auf "Soll"-Sätze.
George Berkeley Irland
1685 - 1753
 
  • Sinnesempfindungen erlauben keinen Schluss auf Existenz von Dingen.
  • Nur ein anderer Wille kann unsere materielle Welt verursachen.
Immanuel Kant Königsberg / Ostpreußen
1724 - 1804
 
  • Die Menschen können nur in Zeit und Raum denken.
  • Nicht nur das Bewusstsein richtet sich nach den Dingen, sondern auch die Dinge nach dem Bewusstsein.
  • Der Mensch kann Rätsel wie das der Weltentstehung nicht lösen.
  • Kategorischer Imperativ: Es gibt eine angeborene praktische Vernunft, die besagt, dass "wir immer so handeln sollten, dass wir uns gleichzeitig wünschen könnten, die Regel, nach der wir handeln, würde allgemeines Gesetz."
  • Frei ist, wer aus Achtung vor dem Moralgesetz handelt.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel Tübingen / Deutschland
1770-1831
Romantik
  • Bestandteil: Ironie
  • Die "Weltvernunft" ist die Summe aller menschlichen Äußerungen.
Dialektik
  • Prozess des Fortschritts: Die "These" stellt eine Aussage auf. Die "Antithese" behauptet das Gegenteil. Die "Synthese" kombiniert beide und bringt den Fortschritt.
Philosophie allgemein Europa
Mitte 19.-20.Jh.
Naturalismus Es gibt keine Wirklichkeit außer der wahrnehmbaren Welt. Der Mensch ist Teil der Natur.
Sören Kierkegaard Kopenhagen
1813 - 1855
Individualismus
  • Der einzelne Mensch ist wichtig. Sein Leben und seine Probleme sind interessant.
  • Die wichtigen Wahrheiten gelten nur persönlich.
  • Die individuellen Wahrheiten sind für den einzelnen wichtiger als die allgemeingültigen.
  • Man kann in drei Ebenen leben. (Ästhetisch: Streben nach Genuss; ethisch: Man versucht, richtig zu handeln; religiös (beste): religiöses Leben)
Karl Marx Deutschland / London
1818 - 1883
historischer / dialektischer Materialismus
  • Das Denken der Menschen wird hauptsächlich von ihren materiellen Lebensbedingungen bestimmt und dabei von der "herrschenden Klasse" am stärksten beeinflusst.
  • Der Arbeiter darf nicht ausgebeutet werden.
Politik allgemein Welt
ab Mitte 20.Jh.
Sozialdemokratie Klassenlose Gesellschaften sind nicht möglich, weil Menschen Fehler haben.
Charles Darwin London
1809 - 1882
 
  • Tiere und Menschen entwickeln sich, wobei die bestangepassten überleben.
  • Dadurch ist jedes Individuum durch seine Fortpflanzung bedeutend für die Entwicklung seiner Rasse.
Sigmund Freud Wien
1856 - 1939
 
  • Der Mensch wird teilweise von seinen Trieben gesteuert. Ein Trieb ist anerzogen, nälich das Gewissen. Der Mensch hat ein Unterbewusstsein, in dem Verdrängtes "gelagert" wird.
Philosophie allgemein Europa
20.Jh.
Existenzialismus  
Friedrich Nietzsche Deutschland
1844 - 1900
 
  • Das Christentum ist eine Scheinwelt.
Jean-Paul Sartre Frankreich
1905 - 1980
 
  • Die Existenz geht dem Wesen voraus.
  • Der Mensch kann über sein Leben selbst bestimmen und muss ihm einen Sinn geben.
  • Welchen Teil der Realität man hauptsächlich wahrnimmt, hängt von der jeweiligen Situation ab.