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Der Mensch: Von Natur aus gut - Von Natur aus böse?
Aussagen von Thomas Hobbes
für den GK Religion 13.1
von Patrick Bernau 1999-11-22
Thomas Hobbes - Kurzbiografie
Thomas Hobbes wurde am 5. April 1588 in Malmesbury (England) geboren und starb am 4. Dezember
1679 in Hardwick Hall. Der Hauslehrer, Mathematiker und Philosoph unternahm zahlreiche Reisen
nach Europa und lebte von 1640 bis 1651 im Exil in Frankreich. Auf seinen zahlreichen Reisen
lernte er unter anderem Galileo Galilei und René Descartes kennen. Im Vergleich mit
diesen beiden Zeitgenossen ist sein Einfluss auf die heutige Philosophie jedoch recht klein.
Ebenfalls 1651 veröffentlichte er sein Hauptwerk "Leviathan oder Stoff,
Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staats." Weiterhin verfasst
er eine Trilogie über den Menschen, bestehend aus "De Corpore"
("Der Körper"), "De Cive" ("Der Bürger")
und "De Homine" ("Der Mensch").
Hobbes' Leben wurde stark beeinflusst von zahlreichen politischen Unruhen. So sind der
30-jährige Krieg (1618-1648) zu nennen, der Bürgerkrieg zwischen englischer Krone
und Parlament (1642-1648), die Hinrichtung Karls I. (1649) und die Militärdiktatur
Oliver Cromwells (1653-1658). Dabei hatte Hobbes mit seinen eher absolutistischen Ansichten
häufig Probleme mit dem zu dieser Zeit recht starken Parlament.
Hobbes' eher negative Einstellung gegenüber dem Menschen lässt sich durchaus mit
den Unruhen dieser Zeit erklären. Der Wunsch nach einem starken Staat könnte hier
seinen Ursprung genommen haben. Auch die noch anzusprechende Idee vom "Bellum omnium in
omnes" wird vor diesem biografischen Hintergrund leichter verständlich.
Hobbes' Menschenbild: "Homo homini lupus"
...ist materialistisch und deterministisch. Er sieht nichts im Menschen, das zu seiner
grundsätzlichen Unterscheidung von anderen Organismen und Körpern berechtigt. Zwar
gesteht er dem Menschen Entscheidungsfreiheit über seine Aktionen zu, schränkt
allerdings gleichzeitig wieder dahingehend ein, dass das letztendliche Ziel vorbestimmt sei.
Dieses Ziel sei die Selbsterhaltung des Menschen; alle selbst gewählten Handlungen
seien darauf ausgerichtet.
Hinzu kommt allerdings ein Verlangen des Menschen nach Geltung und Ansehen, Ruhm und Ehre.
Menschliches Vergnügen bestehe im Vergleich mit anderen, der Mensch könne
"nichts genießen kann als was hervorragt" aus dem Durchschnitt. Durch
gegenseitiges Misstrauen entstehen so die "drei Hauptursachen" von Konflikten:
Machtkonkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht ("Competition, Diffidence,
Glory").
So betrachte der Mensch die anderen Menschen als seine natürlichen
Feinde. Diese Aussage fasst Hobbes unter dem Stichwort "Homo homini
lupus" ("Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf") zusammen. So befindet
sich der Mensch in ständigem Krieg aller gegen alle - "bellum omnium in
omnes".
Die Folgen des Wolfsbildes: "Leviathan"
In diesem genannten Kriegszustand aller gegen alle muss der Mensch nun laufend die anderen
Menschen fürchten; schließlich ist der Selbsterhaltungstrieb seine
Triebfeder. Somit ist der Mensch dem Menschen nicht nur ein Wolf, sondern andererseits auch
ein Hase: "Homo homini lepus".
Dieser Status quo lässt sich nach Hobbes nur durch die Schaffung eines gemeinsamen
Staates bekämpfen. Er funktioniert nach dem Motto "Ich übergebe mein Recht,
mich selbst zu regieren, diesem Menschen oder dieser Versammlung unter der Bedingung, dass du
ebenfalls dein Recht über dich ihm oder ihr abtretest." Dieses Gebilde nennt er
Leviathan.
Der Name Leviathan stammt aus dem Alten Testament; in Psalm 74,14, Jesaia 27,1 und Hiob
40,25ff ist der Leviathan ein schreckliches Ungeheuer, das Gott in Urzeiten besiegen musste.
Mit dieser Bezeichnung will Hobbes nun ausdrücken, der Staat so mächtig,
unberechenbar, schrecklich, unteilbar und unbesiegbar ist wie der biblische Leviathan und
zudem göttlich genug, dass selbst Gott sich mit ihm vergleicht. Er muss schrecklich
sein, um sein Gewaltmonopol aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig ist er göttlich, weil er
Frieden und Luxus schafft. Diesen Zustand bezeichnet Hobbes als
"Frieden".
Kritik am Leviathan
Von verschiedenen Seiten wird Kritik an Hobbes' Leviathan geübt. Man bemängelt
unter anderem, dass Hobbes dem entstehenden Staat zu viel Macht einräumt.
Gewaltenteilung war diesem Zeitgenossen des Barock und der Reformation noch fremd (diese Idee
kam erst in der Aufklärung auf); für ihn war der Schöpfer von Gesetzen
("Gerechtigkeit") immer gleichzeitig der Durchsetzende. Die Gefahr von
Machtmissbrauch der führenden habe Hobbes unterschätzt. Die Kirche kritisiert
ebenfalls das göttliche Element des Leviathan; Obrigkeit dürfe vor allem nach dem
Neuen Testament nicht vergöttert werden.
Spätere Philosophen kritisieren eine gewisse Beliebigkeit dieses Staatsgebildes.
Es hat zwar in dem Bereich, den die Menschen abtreten, viel Macht, Hobbes legt allerdings
nicht fest, wie weit diese Freiheits-Abtretung geht. Auch der Erklärungsversuch mit dem
späteren kategorischen Imperativ "Was du nicht willst, dass man dir tu' ..."
führt nicht zu konkreteren Erkenntnissen. (Anmerkung: Ich habe einen Hinweis darauf
erhalten, dass der kategorische Imperativ ausdrücklich nicht die goldene Regel "Was du
nicht willst..." ist. Für den Schulgebrauch sollte das so aber reichen, finde ich.)
Die Kirchen bemängeln zusätzlich den Begriff des "Friedens". Sie meinen,
der biblische Frieden (ausgedrückt durch das hebräische "Schalom")
beinhalte mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg bei Hobbes. Hiermit sei auch
innerer, seelischer Frieden ebenso wie Frieden zwischen Mensch und Gott sowie Mensch und
Umwelt gemeint. Während Hobbes' Frieden nur durch Verzicht auf Freiheit und
Individualität denkbar sei, schaffe "Schalom" in lebendiger Harmonie diese
Vorzüge erst.
Persönlich bin ich der Ansicht, dass schon Hobbes' Grundannahme vom "Homo homini
lupus" so nicht gehalten werden kann. Zahlreiche Gegenbeispiele guter, freiwilliger
sozialer Kontakte ebenso wie psychologische Forschungsergebnisse klassifizieren den Menschen
als ein ausgesprochenes Gruppentier.
Bild von Hobbes (JPG) * Zum Download: Paper
- Folien
Literatur:
- Ulrich Steinvorth, "Freiheitstheorien in der Philosophie der Neuzeit", Darmstadt 1987
- Peter Kliemann, "Thema Mensch", Stuttgart 1998
- Peter Kliemann, "Glaube ist menschlich", Stuttgart 1993
- Zeittafel der Weltgeschichte, Köln 1999
- Meyers Taschenlexikon, Mannheim 19922
- Duden Band 12 - Zitate und Aussprüche, Mannheim 1993
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